Lockdown-Bacchanal

Lockdown. Die kommenden Wochen muss ich mich ausschließlich in meiner Wohnung beschäftigen. So wie alle anderen auch. Auf weniger als 50 m2 durchaus eine Herausforderung. Trotzdem – das Ganze hat auch etwas Gutes. Ich tue endlich mal wieder Dinge, die ich schon ewig nicht mehr gemacht habe, wie z.B das hier: Bloggen. Wein bewusst verkosten.

Die Ausgangsbegrenzung kommt persönlich zur Unzeit – Frühlingsbeginn, die ersten Sonnenstrahlen, es zieht mich nach draußen. Für diesen Post aber gibt es keinen passenderen Zeitpunkt: Den Blognamenstag, die Tage der Bacchanalien. Die Bacchanalien waren die antiken Feierlichkeiten zu Ehren des Gottes Bacchus, dem Gott des Weines, der Ekstase und der Verwandlung. Es waren wilde, exzessive Feiern. Ihre Zügellosigkeit nahm so überhand, dass sie 186 v. Chr vom römischen Senat zwar nicht komplett verboten, aber genehmigungspflichtig und streng reglementiert wurden. Lockdown.

Was wurde so ausgelassen gefeiert? Der römische Bacchus entspricht dem griechischen Weingott Dionysos, und die Bacchanalien den Dionysien, Festlichkeiten, die man im März zu Beginn der neuen Vegetationsperiode beging. Es waren ursprünglich also rauschhafte Frühlings- und Fruchtbarkeitsriten. Die Wiedergeburt der Natur, der Frühling wurde festlich begrüßt. Bacchus als Gott der Verwandlung.

Auch Krisenzeiten stehen für Wandel. Die Krise, die uns momentan in Schach, bzw. in den Häusern hält, heißt Corona. Sichtbar an seit Wochen leerfegten Supermarktregalen, spürbar an Auftragsstornos, Kurzarbeit und Kündigungen. Trotzdem: Surreal und schwer zu (be)greifen. Wie dieser Frühlingsanfang, an dem wir uns zurückziehen und zu Hause bleiben, obwohl unser natürlicher Impuls ein Öffnen, eine Hinwendung zu Anderen und zum Leben draußen ist. Durchhalten. Der Gott der Verwandlung (und des Weines) verspricht danach einen Neuanfang.

Außerdem heißen auch schöne Dinge Corona. Corona bedeutet Kranz. Die Partygäste der Bacchanalien trugen Kränze aus Efeu und Weinlaub, den Pflanzen, die Bacchus zugeordnet waren. Auch der Strahlenkranz um die Sonne, der bei einer Sonnenfinsternis sichtbar wird, heißt Korona.
Eine Menge Sonnenstrahlen steckten in den Trauben für diesen Wein:

2018 Fumè Blanc Unfiltered, Weingut Peth-Wetz, Rheinhessen

Für mein Indoor-Bacchanal wähle ich natürlich etwas Ausschweifendes, Opulentes. Fumè Blanc ist ein anderer Name für die Rebsorte Sauvignon Blanc.
Sauvignon Blanc gehört zu den sog. Bukettsorten, die Traube ist also sehr aromatisch. Ihr Spektrum reicht von Holunderblüte über frisches Gras und Paprika bis hin zu exotischen Früchten. Ursprünglich beheimatet in Frankreich, gehört sie heute zu den Global Players der Rebsorten. Seit 1999 ist sie hier in Deutschland zum Anbau zugelassen.
Fumè Blanc ist zwar ein Synonym zur Sorte, bezeichnet aber meist Sauvignon Blancs, die ins Fass gelegt wurden. Diesen Style liebe ich seit meinem Aufenthalt in Bordeaux. Dieser hier stammt aber aus Rheinhessen, dem größten Anbaugebiet Deutschlands.

Helles Goldgelb glänzt – trotz leichter Eintrübung – aus dem Glas. Die Eintrübung ist in diesem Fall kein Fehler, der Wein ist „Unfiltered“, also unfiltriert abgefüllt. Das nimmt ihm zwar die Klarheit, aber der Wein behält dadurch mehr Aromastoffe.

In der Nase intensiv, aber weniger laut, als ich erwartet habe. Eher fruchtbetont, weniger grün. Ich freue mich, weil ich ganz klar den Duft von Ananas in der Nase habe. Dazu andere reife, tropische Früchte wie Papaya und Pfirsich, und – etwas darunter verborgen – die klassische Stachelbeere. Er hat eine komplexe, geheimnisvolle Tiefe.

Am Gaumen weich mit angenehmer Fülle. Seine Säure belebt den kraftvollen Wein, so dass er trotz 13% vol kein bisschen schwer wirkt und sich angenehm trinken lässt. Die Fruchtnoten schmeckt man, und auch hier kommt hintenraus das Stachelbeeraroma. Das Fass gibt ihm Körper und Textur, jedoch kaum Aroma. Ein wirklich feiner, eleganter und doch selbsbewusster Fumè Blanc.Fumè 4

Ein wunderbarer Frühlingsbote, der aus der Winter-Edition der SZ Vinothek stammt. Trotz Lockdown wünsch ich Euch eine schöne Frühlingszeit, auch wenn jetzt noch nicht absehbar ist, wie lange das alles noch dauert…

 

 

 

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