Empordà: Neu entdeckte Welt im Weinuniversum

In den unendlichen Weiten des Universums werden täglich neue Welten entdeckt. Unmöglich scheint es, hier auf unserem Planeten noch unbekannte Flecken aufzuspüren. Aber genau das ist vorgestern passiert. Eine neue Welt tauchte an meinem Wein-Horizont auf. Keine tausend Lichtjahre sondern nur zwei Flugstunden entfernt. Ihr Name: DO Empordà.

Empordà hat die Größe von ca. 2000 ha, auf denen sich hochentwickeltes Leben der Spezies Vitis Vinifera nachweisen lässt. Obwohl mir völlig neu, ist das Weinbaugebiet DO (Denominación de Origen) Empordà sehr alt. Seit der Antike pflanzt man hier Weinreben, denn schon den alten Griechen offenbarte sich das Potential der Region im Hinterland der Costa Brava.

Bis zu 120 Jahre alte Rebstöcke wurzeln hier am Rand der Pyrenäen auf kargem Schiefer und Granit, in tieferen Lagen auf Kalk- und Sandböden. Die vielfältige Bodenstruktur der DO Empordà erbringt unglaublich komplexe Weine.

Bei den Rebsorten setzt man auf die heimischen Sorten Kataloniens: Weiß sind dies hauptsächlich Macabeo, Muscat d‘ Alexandrie sowie Garnacha in den Spielarten blanca und gris. Allerdings benutzt man in der Region häufiger den katalanischen Name der Garnacha, „Lladoner“.  Bei den Roten dominieren Lladoner und Samsó, die im Rest Spaniens als Cariñena bekannt ist.

Auffällig ist die Reberziehung des gesamten Gebietes. Die knorrigen Rebstöcke sind nicht hochgewachsen, sondern kauern ganz dicht am Boden. Der Grund dafür heißt Tramuntana. Der Tramuntana ist der kalte, heftige Nordwind, der über die Pyrenäen zum Meer fegt. Er ist so stark, dass er die Reben knickt und verletzt, wenn sie höher gezogen werden. Darum setzt man die Rebstöcke auch in Windrichtung, um Schäden an den Pflanzen zu vermeiden.

Bei einem Tasting inmitten der Weinberge bekommen auch wir die Heftikeit zu spüren, mit der der Tramuntana über das Land braust. Trotz Sonnenschein und frühlingshafter Temperatur stehen wir eingehüllt in Jacken, Schal und Mütze auf dem sanften Hügel, um dem strengen Wind zu trotzen. Obwohl ich den Stiel meines Weinglases fest und sicher in der Hand habe, zittert das Glas. Beim Einschenken muss ich es mit beiden Händen stützen.

Mitten in dem konstant starken Luftstrom zu stehen war anstrengend. Wir wurden aber von dem atemberaubenden Ausblick auf die wunderschöne, unverbaute Landschaft und dem tollen, facettenreichen Geschmack der Weine belohnt.

Die Weine der DO Empordà gedeihen in mediterranem Klima. Alle Weine sind von enorm hoher Qualität, da es nur sehr geringe Erträge gibt. Die Stile sind ebenso bunt und vielfältig wie die Bodenstruktur der Region.

Weißweine genießt man von leicht und verspielt mit floralen oder fruchtigen Noten bis hin zum vollmundigen, kräftigen Essensbegleiter. Auch die fülligeren Weißen behalten stets eine angenehme Frische. Die Palette der Rosés reicht von hellen, subtilen Tropfen bis hin zu dunklen, kräftig-fruchtigen Weinen.

Die Rotweine sind harmonisch, mittelkräftig bis körperreich, mit geballter Power und Struktur. Zum Teil sind sie im Barrique ausgebaut. Aber wenn ja, dann sehr dezent. Nicht der Ausbau, sondern das Terroir ist es, das den Weincharakter hier prägt. Die Weine sind authentisch und zeigen ihre Herkunft mit katalanischem Stolz.

Eine Sünde, die man unbedingt begehen sollte, sind die Süßweine. Die besondere Spezialität der Region ist der Garnatxa d‘ Empordà. Dieser Wein ist natursüß und wird auf 15% bis 16% vol. aufgespritet. Er reift einige Jahre in nur teilweise gefüllten Fässern, so dass er mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Ähnlich wie Sherry wird er während seiner Reifung mit neuen Jahrgängen vermischt. Heraus kommt ein Wein, der sich schmecken lassen kann. Süß, mit Noten nach getrockneten Früchten, Nüssen und Karamell. Ein Gedicht zur Crema Catalana.

Die tollen, wirklich hochwertigen Weine der DO Empordà werden bisher hauptsächlich in Spanien konsumiert. Bei uns gelten sie noch als absoluter Geheimtipp. Da die Erträge sehr niedrig sind, haben sie ihren Preis, der aber durch ihre Qualität absolut gerechtfertigt wird.

Der helle Stern der DO Empordà ist gerade dabei, am Weinhimmel aufzugehen. Wir brauchen keine neuen Welten, denn die wahren Schätze des Universums liegen hier auf der Erde…

 

2 Kommentare zu „Empordà: Neu entdeckte Welt im Weinuniversum“

  1. Schöner und interessanter Bericht. Ich höre immer sehr viel gutes über spanische Weine einen richtigen Zugang habe ich noch nicht. Ich bevorzuge Weine aus Bordeaux und dem Piemont, aus der neuen Welt haben Chile und Uruguay wirklich gute Weingüter.
    Aber dank solcher Berichte probiere ich immer wieder gerne neue spanische Weine aus. Vielen Dank.

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    1. Vielen Dank!
      Die spanischen Weine können je nach Anbaugebiet und Reifegrad sehr unterschiedlich sein. Einfach weiterprobieren ;-)…
      Bordeaux und Piemont mag ich auch sehr. Aus Chile hab ich noch nicht viel probiert, aber das, was ich hatte, war ganz gut. Uruguay ist für mich komplett unbekannt – aber klingt sehr spannend, danke für den Tipp!

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