Mit Mephisto durch Halloween

Halloween. Heute Nacht sind die Grenzen zwischen den Welten wieder geöffnet. Oh – wie ich sehe, ist hier in dieser Welt seit meinem letzten Post ein ganzes Jahr verstrichen! Ich kann es selber kaum glauben, dieses Jahr verging wie eine einzige Woche in jener anderen Welt, in die ich mich verirrt hatte.

Ich konnte meinen Weg zurück nicht rechtzeitig finden, bevor die Grenzen sich wieder schlossen und im Nebel der Zeit versanken. Ich war gefangen. Gefangen in einer Welt aus Projekten und Workshops, Terminen und Deadlines, Planungen und Vorbereitungen. Klingt schrecklich, aber in keiner Welt ist alles nur negativ: Ich habe auch viel Neues kennen gelernt, ausprobiert und liebgewonnen. Es war gut, aber nun zieht es mich weiter.

Um in dieser Nacht sicher zu reisen, brauche ich Tarnung. Was mir fehlt ist ein furchterregendes, schauriges Kostüm. Aber wie soll ich sonst von hier wegkommen, ohne von bösen Wesen aus der Unterwelt, die heute Nacht ihr Unwesen treiben, zerrissen zu werden? Ich bräuchte einen Talisman oder einen Schutzzauber, aber natürlich habe ich weder Amulett noch Zauberspruch. Doch etwas Magisches besitze ich: Einen Zaubertrank. Wein.

Sofort durchforste ich die Reihen meines Weinregals, wo mir für einen Moment das Herz stehen bleibt — der Teufel höchstpersönlich liegt vor mir: Eine Flasche „Mephisto“. Wein ist eben ein ganz besondrer Saft… Denn wer, wenn nicht der Leibhaftige, könnte in dieser Nacht es wagen, Schutz und Geleit mir anzutragen?

2011 „Mephisto“, Weingut Goldenits, Burgenland, Österreich

Mephisto f

Ich ziehe die Flasche aus dem Regal. Für einen Wein, der „Mephisto“ heißt, ist das Etikett ziemlich unspektakulär. Doch der Teufel versteht es, sich verborgen zu halten. Beim Öffnen zögere ich: Will er dafür meine Seele? Aber das muss ich riskieren. Ich entkorke und befreie den Geist aus der Flasche.

In tiefes rubinrot gehüllt steigt er in mein Glas. Dass er aus den Tiefen der Hölle kommt, rieche ich sofort. Zwar tarnt er sich mit einem Parfum aus dunklen Früchten, aber ein feiner Hauch Vanille, der vom verbrannten Barrique herrührt, verrät ihn.

„Ein festlich hoher Gruß, Euch zugebracht!“, begrüßt er mich. „Ihr seid nicht von diesem Ort, drum wollt Ihr heute Nacht noch fort: Hier in diesen Hallen will es Euch nicht recht gefallen.“ Er weiß also bereits, warum ich ihn gerufen habe. „Helft Ihr mir?“ frage ich, und zaghaft füge ich hinzu: „Und was ist der Preis für Eure Hilfe?“

„Ihr habt mich aus der Flasche befreit, deshalb habt die Nacht durch Ihr sicher’s Geleit. Doch für den Weg in Euere Welt zurück braucht Ihr bei drei Fragen Glück. Dreimal muss die Antwort richtig sein, sonst ist Eu’re Seele mein!“

Na toll… Wenn ich den Deal akzeptiere, wandle ich wahrscheinlich mit bedächt’ger Schnelle von dieser Welt direkt zur Hölle. Trotzdem schlage ich ein. „Wie lauten die drei Fragen?“ möchte ich wissen.

„Des Menschen Blut entsteht von zwei, bei mir jedoch sind derer drei. So Ihr mir die Namen nennt, Ihr die erste Antwort kennt.“

Hmm… die Frage scheint mir klein: Wir Menschen haben zwei Elternteile. Er besteht aus drei Rebsorten, und ich weiß, welche: „Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon“.   „Eben diese sind die drei. So höret Frage Nummer zwei: Alles, was Ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, sind eben nicht mein Element. Vielmehr von meinem wahren Wesen könnt aus mei’m Terroir Ihr lesen!“

Dieses Rätsel scheint einfach zu lösen zu sein. Er lebt in der Hölle, damit ist es klar, dass sein Element das Feuer ist. „Fe… “ setze ich schon an. Im letzten Moment aber die Erkenntnis: Es ist eine Fangfrage!  –  Sein Wesen entspringt dem Terroir, dem österreichischen Burgenland. Genauer noch der seit 2012 bestehenden Unterregion DAC Neusiedlersee. Das Weinbaugebiet ist geprägt vom pannonischen Klima, mit heißen Sommern und kalten Wintern. Hauptsächlich aber beeinflusst die Region der namensgebende Neusiedler See, dessen Luftfeuchtigkeit hervorragende Süßweine entstehen lässt. Sein Element ist also das Wasser. „Wasser“ gebe ich zur Antwort, und er funkelt mich diabolisch an.

„Seid Ihr hier und jetzt bereit, zu reisen mit mir durch Raum und Zeit?“ „Ja, bin ich!“ „So soll es zwischen uns besiegelt sein, d’rum nehmet einen Schluck vom Wein!“  Ich trinke und werde zum Spielball roter Magie…

Alles fängt an, sich zu drehen. Dunkle Beeren, Pflaumen, Kirschen. Süßholz. Vanille. Thymian. Samtige, aber schwere Tannine. Der Wein ist aus meinen Augen – aber nicht aus meinem Sinn – er klingt lange, lange am Gaumen nach. Mephisto führt mir den Weg raus aus dieser Welt. Aber kann ich ihm trauen? Wohin führt er mich? Es wird sich zeigen – spätestens beim nächsten Halloween. 😉

meph 3

 

 

 

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