Auf zu neuen Ufern: Bordeaux

Weinen aus dem Bordeaux – oder besser gesagt aus dem Bordelais, wie das Gebiet um die Stadt Bordeaux eigentlich heißt – ging ich bisher immer aus dem Weg. Erstens, weil es uns hier in München schon geographisch mehr nach Italien zieht. Zweitens, weil mir das ganze System der Klassifizierung immer undurchsichtig schien, und drittens weil ich dachte, dass gute Weine aus dem Gebiet teuer sind.

Eine Reise nach Bordeaux – natürlich mit Abstecher ins berühmteste Weinbaugebiet der Welt, räumte bei mir mit allen Vorurteilen auf, und ich entdeckte sogar eine frankophile Seite an mir.

Bordeaux ist eine lebendige, aber entspannte Stadt, die neben ihrem spätbarocken Architekturbild und einigen Sehenswürdigkeiten auch coole Bars, herausragende Küche und natürlich tollen Wein zu bieten hat.

Was ist so toll an den bordelaiser Weinen?

Die weltberühmten Spitzengewächse, die Preise von mehreren Tausend Euro pro Flasche erzielen und das Klassifizierungsmodell der Châteaux vom rechten und linken Ufer der Gironde prägen den Mythos Bordeaux.

Doch mir wurde auf dieser Reise bewusst, dass Bordeaux nicht nur Glanz und Glamour ist. Bordeaux bietet eine ungeheuere geschmackliche und stilistische Vielfalt, und zwar in allen Preiskategorien, für Millionäre und Tellerwäscher gleichermaßen.

Um Euch den Facettenreichtum dieses Gebietes zu zeigen, werde ich in den nächsten Wochen einige Weine aus unterschiedlichen Bordeaux-Regionen vorstellen. Der Ordnung halber beginne ich mit einem aus der AOC* Bordeaux, der allgemeinen Appellation.

*(AOC bedeutet Appellation d’Origine Controlée und steht für eine kontrollierte Herkunftsbezeichnung. Sie soll sowohl eine bestimmte Qualität des Weines sowie die typischen geschmacklichen Eigenschaften seiner Appellation sicherstellen.)

1. AOC Bordeaux

Die AOC Bordeaux ist mit ca. 112 000 ha Frankreichs größtes Anbaugebiet für Qualitätswein. Zwischen 5 und 6 Millionen hl Wein werden hier jährlich von ca. 7200 Weinbau-Betrieben erzeugt. Innerhalb der AOC Bordeaux befinden sich 60 weitere kleinere Appellationen.

Das Klima ist maritim, mit warmen Sommern und milden Wintern. Häufige Regenfälle zur Lesezeit und generell ziemlich launisches Wetter bewirken zum Teil gravierende Unterschiede der Jahrgänge in Bezug auf Qualität und Charakter.

Die Trauben für diese Weine können aus dem gesamten Gebiet stammen, das sich entlang der Flüsse Garonne und Dordogne bis zur Gironde-Mündung in den Atlantik zieht. Erzeugt werden Crémants, Weiß- und Rotweine sowie Rosés und Clairets. Clairet ist eine Spezialität des Bordelais, ein dunkler Rosé-Wein, der im Vergleich zum Rosé länger auf der Maische steht und dadurch mehr Farbe und Tannin extrahiert.

Zugelassen sind nur bestimmte Rebsorten. Für Weißwein sind die wichtigsten drei Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle. Sauvignon Gris, Ugni Blanc und Colombard sind zugelassen, kommen aber kaum zum Einsatz.

Beim Rotwein, der das Gros der bordelaiser Produktion stellt, werden heutzutage hauptsächlich Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Petit Verdot verwendet. Außerdem Malbec und Carmenère, wieder mit steigender Tendenz. Nach dem großen Frost 1956, dem etliche Rebstöcke zum Opfer fielen, ersetzte man diese Sorten bei der Neubepflanzung hauptsächlich durch Cabernet Sauvignon.

Der Begriff „Bordeaux Supérieur“ bezeichnet Weine aus dem gleichen Gebiet, deren Qualität eine Stufe über denen der AOC Bordeaux angesiedelt ist. Im Vergleich zu den AOC Bordeaux-Weinen verfügen sie über einen höheren Alkoholgehalt, außerdem sind geringere Ertragsmengen sowie eine längere Reifezeit vorgeschrieben.

2014 Château Memoires, „Fleur d’Opale“

Ein weiteres meiner auf der Reise ausgeräumten Vorurteile ist, dass ich keine im Fass ausgebauten Sauvignon Blancs mag. Alle, die ich bis dahin probiert hatte, fand ich platt und nicht gut. Umso größer meine Überraschung, als ich in Bordeaux gleich auf zwei Vertreter dieser Gattung stieß, die mich regelrecht verzauberten. Dies war einer der beiden:

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Diese Sauvignon-Sémillon-Cuvée wirkt in ihrem hellen strohgelb im Auge unscheinbar, in der Nase jedoch sehr selbstbewusst: Intensive Noten nach reifen Pfirsichen und Brioche, zu denen sich später ein Hauch Honig gesellt, stets belebt von einer angenehmen Zitrusfrische. Die Fassnote ist eindeutig, aber keineswegs überladen, sondern wie ein chices, französisches Accessoire: Elegant, passend und unaufdringlich.

Die frische Säure verleiht dem Wein Leben und Struktur, der mittlere Körper hinterlässt einen leichten Schmelz am Gaumen.

Dieser Fass-Sauvignon vereint das, was ich sonst an diesen Weinen immer vermisst habe: Er ist ausgewogen, rund und weich, besitzt aber trotzdem Frische und Lebendigkeit.War ein ausgezeichneter Begleiter zu einem Surf & Turf-Gericht.

Die Jahresproduktion dieses Weines liegt bei nur ca. 1000 Flaschen, er ist also wirklich was Besonderes.

Der zweite Fass-Sauvignon, der mich begeisterte, war der 2015 Château Cailleteau Bergeron, Blaye – Côtes de Bordeaux. Leider habe ich davon keine Notizen, aber er ist die ideale Überleitung für den Post nächste Woche: Côtes de Bordeaux

Außerdem noch Posts über folgende Regionen: Entre-deux-Mers, Graves, Médoc und Libournais

6 Kommentare zu „Auf zu neuen Ufern: Bordeaux“

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